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Die Geschichte der Osterinsel: So viele Fragen und wenig gesicherte Erkenntnisse

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Jeder Ort der Osterinsel bietet etwas zum Entdecken, wenn man mit aufmerksamen Augen hinschaut. Denn hier spricht die Geschichte von einer alten Zivilisation, von der wir wenig wissen. Diese Insel vermittelt den Eindruck von einem Ort im unendlichen Raum, und doch ist die Insel sehr klein. Die Osterinsel ist klein, trocken und trostlos, aber sie hat Landschaften und ein unendliches Himmelsgewölbe. Das Meer, das sie umgibt, ist endlos.

Wenn man die Insel erforscht, kann man von ihr aber nur fasziniert sein: Schauen Sie sich eine Menge Vulkangestein an, und ganz langsam merken Sie, daß es ein niedergeschlagener Moai ist. Davon gibt es an der Küste der Insel Hunderte. Auf der Insel gibt es wilde Pferde, großartige Wellen und idyllische Buchten. Die Landschaft ist von fünfzehn Vulkankegeln in allen Formen und Größen geprägt, und innerhalb einiger Vulkane befinden sich Süßwasserseen.

EINE GESCHICHTE, DIE IN TEILEN NOCH IMMER GEHEIMNISVOLL IST

Nach jahrzehntelangen Recherchen ist die Geschichte der Osterinsel auch heute noch umstritten. Wahrscheinlich wurde die Insel zwischen 600 und 800 unserer Zeitrechnung besiedelt. Die mündliche Überlieferung des Volkes der Rapa Nui besagt, daß die ersten Bewohner der Insel von den Inseln Polynesiens kamen, das heißt, daß sie mit großer Wahrscheinlichkeit von den Gambier-Inseln und den Marquesas-Inseln eintrafen. Der Anführer der Expedition war Hotu Matu’a, der nach der Legende am Strand von Anakena landete. Diese mündliche Überlieferung wird heute von wissenschaftlichen Forschungen bestätigt. Die heutigen Nachkommen der ersten Einwohner sind Polynesier wie auch die von ihnen gesprochene Sprache. Auch die genetischen Untersuchungen haben den polynesischen Ursprung der Einwohner der Insel bestätigt.

Durch die jüngsten wissenschaftlichen Forschungen scheint die umstrittene These, welche Bevölkerung die Insel besiedelt hat, geklärt zu sein. Frühere Theorien hatten auch auf die Möglichkeit der Ankunft der Bevölkerung aus Südamerika hingewiesen, um die Erhabenheit der Steinmonumente der Insel zu erklären. Aber dies wurde durch die Forschungen der letzten Jahre nicht bestätigt.

VIELE FRAGEN OHNE ANTWORTEN

Aber in der Geschichte der Osterinsel sind die Fragen mit einer gesicherten Antwort noch viele. Warum wurden die Moai errichtet? Warum sind es so viele? Wie wurden die Moai transportiert? Warum blieb der größere Teil der Moai am Abhang des Vulkans Rano Raraku? Warum wurden die Moai zu einem gewissen Zeitpunkt der Geschichte alle niedergeschlagen? Es sind der Theorien viele, die versuchen eine Antwort auf diese Fragen zu geben.

Nach der glaubwürdigsten Theorie wurden Moai zu Ehren der Vorfahren auf ihren Standflächen (Ahu) vor den Dörfern zum Schutz der Dörfer und ihrer Bewohner aufgestellt. Es ist nicht klar, warum sie in so großer Zahl geschaffen wurden. Ebenfalls ist unklar, warum sie teilweise über Dutzende von Kilometern transportiert wurden.

Die Tatsache, daß sich viele Moai jedoch an den Abhängen des Vulkans befinden, wo sie gehauen wurden, erklärt die Schwierigkeit des Tramsports so großer Statuen auf einer Insel, wo die ursprünglichen dichten Wälder zerstört wurden, um wahrscheinlich zum Transport der Moai und zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt zu werden. Dies erklärt aber nicht, warum so viele Moai gehauen wurden.

Auch über das Niederschlagen der Moai gibt es vielfältige Theorien. Die glaubwürdigste vertritt die Ansicht, daß die internen Kämpfe zwischen den verschiedenen Dörfern und das Niederschlagen der Moai zum Entstehen einer neuen Religion, der des Vogelmenschens, geführt hat.

MEINE VORSTELLUNG ÜBER DAS NIEDERSCHLAGEN DER MOAI

Aber bei so vielen Theorien interessiert mich die folgende am meisten: Es könnten die Krankheiten, die durch die ersten Kontakte mit den Europäern hervorgerufen wurden, die Zahl der Einwohner haben sinken lassen. Danach haben die Überlebenden, die sich über ihre schlechten Lebensverhältnisse geschämt haben, zu denen sie gelangt waren, sich nicht vor ihren Vorfahren (den Moai) in diesem Zustand haben zeigen wollen. Vielmehr dürften sie es vorgezogen haben, ihre Augen vor ihren Vorfahren zu schließen, indem sie die Statuen niedergeschlagen haben.

Die Statuen zeigen keine Anzeichen, daß sie mit Gewalt nach einem Krieg oder einem Aufstand niedergeschlagen wurden. Aber es sieht so aus, als wäre das Niederschlagen der Moai von der Bevölkerung auf sanfte Art mit gesenkten Augen unterstützt worden. Wären die Moai mit Gewalt niedergeschlagen worden, wären diese in tausend Stücke zerfallen. Aber der größte Teil der Statuen ist aufgrund ihres Gewichts am Hals zerbrochen (dem schwächsten Punkt) und in der Folge auch die Zerstörung der übrigen Bestandteile der Moai bewirkt hat.

DIE GESCHICHTE DER ANKUNFT DER EUROPÄER

Gesichert ist, daß 1722 bei der Ankunft der ersten Europäer – es waren die niederländischen Schiffe von Jacob Roggeveen – die Statuen noch alle gut erhalten waren. Auch bei dem zweiten Kontakt mit Europäern im Jahr 1770 – diesmal durch Spanier unter Führung von Don Felipe Gonzalez de Ahedo – werden die Moai noch als aufrecht stehend beschrieben. Aber schon für 1774 vier Jahre später ist durch die dritte europäische Expedition, die die Insel erreicht hat, nämlich die von James Cook – die Tatsache überliefert, daß einige Statuen zerstört waren.

In den folgenden Jahren werden alle Moai zerstört. Eine Kombination von internen Kriegen, von Krankheiten, die die ersten Forscher auf die Insel eingeschleppt haben, und die Überfälle von Sklavenjägern im 19. Jahrhundert brachte die ursprüngliche Bevölkerung an den Rand des Aussterbens. 1877 blieben nur noch 111 Einwohner der einheimischen Bevölkerung übrig. Mit dem Verschwinden eines großen Teils der Bevölkerung ging auch die Geschichte und die ausschließlich mündliche Kultur der Insel zu großen Teilen verloren.

Deutsche Textkorrektur von Dietrich Köster. 

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